Herzlich Willkommen auf der Homepage der VLÖ

Die VLÖ ist die Berufsorganisation für landw. und forstw. Lohnunternehmen in
Österreich. Sie vertritt die Anliegen der Berufsbranche und ist Ansprechpartner
für alle Fragen rund um den Betrieb eines Lohnunternehmens.

Die CEETTAR ist der Zusammenschluss nationaler Verbände für land- und forstwirtschaftliche Lohnunternehmen und ländliche Dienstleistungsunternehmen in Europa. Ihr Sitz befindet sich in Brüssel. Die Zielsetzung der Organisation liegt in der Bündelung europaweiter Interessen, Stärkung der ländlichen Dienstleisterbranche und in der Umsetzung gemeinsamer Aktivitäten. Seit 1. Juli 2018 ist die VLÖ vollwertiges Mitglied in der CEETTAR und bringt sich bei verschiedenen Themen ein.

 Entwicklung der CEETTAR

1961 wurde die Vorgängerorganisation der CEETTAR – die IULL (Internationale Union landwirtschaftlicher Lohnunternehmer) mit dem Ziel der Anerkennung von Lohnunternehmen als Partner der Land- und Forstwirtschaft gegründet. Bis heute bestehen Zweifel am Bedarf und an der Notwendigkeit von Lohnunternehmen in einzelnen europäischen Ländern. Durch politische Maßnahmen werden Lohnunternehmen an ihrer Entwicklung zu professionell agierenden Service-Betrieben für die Land- und Forstwirte gehindert. Förderungen für einzelbetriebliche und gemeinschaftliche Investitionen in Maschinen stören den Dienstleistungsmarkt, insbesondere im landwirtschaftlichen Sektor. Ländliche Unternehmen entwickeln sich in Segmenten, wo keine wettbewerbsverzerrenden Förderungen gesetzt werden, deutlich besser. Die Praxis zeigt auf, dass Betriebe mit forstwirtschaftlichen und kommunalen Leistungen besser vorankommen, gegenüber Betrieben im landwirtschaftlichen Sektor. Ein hoher Konkurrenzdruck und ungleiche Voraussetzungen bei der überbetrieblichen Arbeit zwischen Landwirten und Unternehmen kennzeichnen das Umfeld.

Fortschritt erforderlich

Die Landwirtschaft braucht den technischen und technologischen Fortschritt indem neue Arbeitsverfahren, wie der Einsatz von Smartfarming-Technologien für alle landwirtschaftlichen Betriebe zu vertretbaren Kosten angeboten werden. Hier liegt der Zukauf spezialisierter Leistungen, beispielsweise jenen von Lohnunternehmen nahe und ist dies ist ein Gebot der Stunde. Als Profis können sie dem Kunden einen bestmöglichen Nutzen bieten. Der Mähdrusch wird heute zu einem hohen Anteil von Dienstleistern erledigt.

 

Einzelmechanisierungen mit teuren Maschinen führen in den landwirtschaftlichen Betrieben zu enormen Fixkosten. Die Betriebe zwingen sich selbst in hohe Kostenstrukturen, setzen auf Betriebsentwicklung mit Pachtungen oder steigen als neuer Anbieter in das Dienstleistungssegment ein. Vielfach wird der Zeitaufwand für das erforderliche Know-how beim Umgang mit der Technik übersehen. Durch die Anschaffung von größeren Maschinen beschleunigt sich der Strukturwandel, denn die Betriebe wollen ihre Kosten im Griff haben. Die Folge ist eine neue Arbeitsfalle, wenn begrenzte Zeitressourcen vorliegen oder eben erhöhte Fixkosten. In Österreich besteht eine hohe Begeisterung für einzelbetriebliche Mechanisierung, die nach unserer Beurteilung in den letzten Jahren aufgrund verschiedener Fördermaßnahmen tendenziell gestiegen ist. Damit schließt ein Konflikt an: Selbst Fahren versus Zukauf von Leistungen bzw. überbetriebliche Maschinennutzung. Diese Frage ist im Kopf des Betriebsführers zu lösen.

Generalversammlung 2022 der CEETTAR in Göttingen

Am 9. und 10. Juni 2022 fand die General Assembly (Generalversammlung) mit Fachexkursion in Göttingen statt. 23 Vertreter aus zehn Ländern nahmen an der Versammlung in Deutschland teil. Im Mittelpunkt standen die Geschäftsberichte von Präsidenten und Generalsekretär und die Berichte der Ständigen Komitees (Ständige Ausschüsse).

 

 Präsident DI Klaus Pentzlin ging in seinem Bericht auf die hohe Energieabhängigkeit des Sektors ein. Mit der Ukrainekrise leidet gesamt Europa mit. In seinem Statement bemängelte er, dass manche Länder in den Agrarbudgets zu viel Geld haben und den Maschinenankauf von Landwirten bis zu 60% subventionieren. Die Folge ist klar: Maschinenpreise gehen nach oben, Kapital wird in Maschinen gebunkert anstelle für Betriebsentwicklung eingesetzt und das Verständnis für Kosteneinsparungen in der Landwirtschaft (jeder braucht eine noch größere Maschine) geht verloren. Damit leidet die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Landwirtschaft, weil wir erhöhte Produktionskosten haben. Die Maschinenhersteller sind bis 2024 gut ausgelastet. Durch die hohen Energiekosten müssen die Dienstleister ihre Preise entsprechend anpassen.

 

Im Anschluss berichtete Jerome Roche zu den gesetzten Aktivitäten des CEETTAR-Sekretariats. Die letzten Jahre waren bedingt durch COVID sehr fordernd. Meetings mussten auf Online bzw. Hybrid-Format umgestellt werden. Diese Erfahrung zeigt, dass Zusammenkünfte auch in Zukunft verstärkt ohne physische Anwesenheit an einem Veranstaltungsort abgehalten werden. Der Ukraine-Krieg fordert die gesamte EU und mehrere EU-Politiken wurden verlangsamt z.B. Farm to Fork-Strategie, Grüne Wende, Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, etc.

Der CEETTAR-Vorschlag zur Anwendung von Gutscheinsystemen beim Einkauf von Dienstleistungen wurde in den nationalen Diskussionen mit der Politik übernommen. Damit kann ein Zuschusssystem für die Nutzung von innovativen Technologien aus Leistungen von Lohnunternehmen z.B. Smartfarming, bodennahe Gülleausbringung, usw. angewendet werden. Die Politik reagiert sehr stark mit Investitionsförderungen in Maschinen, weil sich diese besser verkaufen lassen. Die Nutzung von Dienstleistungen würde Kosten sparen und die landwirtschaftlichen Betriebe wettbewerbsfähiger machen. Zur Situation in der Ukraine wurde ein Positionspapier mit den Auswirkungen für die Branche erstellt.

Berichte von den Fachausschüssen (Standing Committee)

Die Mitgliedsländer entsenden ihre Fachexperten aus den Organisationen und bringen sich auf EU-Ebene ein. Damit formen Personen aus den nationalen Verbänden ein internationales Netzwerk innerhalb der CEETTAR. Sie erhalten wertvolle Erfahrungen von ihren Kollegen und können sich direkt mit Experten aus der EU-Kommission oder anderen Schlüsselorganisationen austauschen.

Im Ausschuss Mobile Machinery (mobile Maschinen) wurde als aktuelle Themen behandelt:

  • GPS-Diebstahl an Landmaschinen durch organisierte Gruppen
  • Data Act: Neuer Vorschlag für den Umgang mit Datengesetzen durch die EU und dem Ziel eines möglichst barrierefreien Zugangs. Damit sollen Innovationen und Wertschöpfung gefördert und unter anderem die Ziele des Green Deals schneller erreicht werden.
  • EU-Driving-Licence Landmaschinen: Der Verkehr auf öffentlichen Straßen wird mit landwirtschaftlichen Maschinen immer komplexer. Daher ist die Sicherheit auf öffentlichen Straßen ein zentrales Anliegen. Für die Agrarwirtschaft und für Lohnunternehmen ist es ein wichtiges Anliegen, einen europaweit gültigen Führerschein für Traktoren und mobile Arbeitsmaschinen zu schaffen. Folgende Aspekte: Gewährleistung eines freien Dienstleistungs- und Arbeitsverkehrs (Einsatz von Personen aus anderen EU-Ländern ohne Hindernisse), durch Harmonisierung der Fahrerlaubnis (Anerkennung) können örtliche Gegebenheiten problemlos bewältigt werden, keine Unterscheidung nach Verwendungsbereichen.
  • Alternative Antriebskonzepte: Zur Reduktion von Treibhausgasen werden Antriebssysteme ohne Verbrennung fossiler Rohstoffe entwickelt. Elektrische Antriebe oder Brennstoffzellen sind derzeit für den Landmaschinenbereich nicht geeignet. Ideal sind dagegen klimaneutrale synthetische Kraftstoffe. Diese werden von der Transportwirtschaft beansprucht. Dazu wird ein Positionspapier entwickelt und die Unterstützung anderer Organisationen gesucht. Wir müssen eine Diskussion über zukunftsfähige Mechanisierungen der Landwirtschaft führen.
  • Maschinenrichtlinie: Die Maschinenrichtlinie regelt Mindeststandards für Gesundheit und Sicherheit beim Inverkehrbringen von Maschinen. Künstliche Intelligenz und die Handhabung von Softwareupdates sind für die Maschinenanwendung wichtig. Digitalisierung beeinflusst Automatisierung und Autonomisierung.
  • Non Road Mobile Machinery: Off-Road Maschinen arbeiten abseits von Straßen. Es sollten nicht die bestimmungsgemäße Verwendung, sondern die grundlegenden Eigenschaften einer Maschine als Zulassungsvoraussetzung herangezogen werden.

Den Vorsitz führt Gerth Petersen Holm, Mitarbeiter der DM&E Denmark.

 

 Im Ausschuss GAP und Rural Activities (ländliche Aktivitäten) wurden nachstehende Themen behandelt:

  • GAP-Strategie: Die Landwirtschaft lebt durch die Nutzung von Maschinen. Fördern wir daher die Nutzung dieser Maschinen, nicht den Erwerb (das Eigentum) von Maschinen. In den nationalen Diskussionen sind dazu einzelne Schritte gelungen. Es geht in Zukunft darum, wie Mechanisierungen in der Landwirtschaft möglichst effizient erfolgen. Hier leistet hauptberufliche Arbeit wirtschaftliche Vorteile.
  • Fit for 55: „Der EU-Plan für den grünen Wandel“ mit dem Ziel die Netto-Treibhausgasemissionen bis 2030 um 55% zu senken. Dabei werden zentrale Fragen behandelt z.B. „Wie können LU-Aktivitäten kohlenstofffreier durchgeführt werden?“ oder „Welche Rolle nehmen wir bei der Kohlenstoffspeicherung ein?“
  • Gesetze auf EU-Ebene wurden durch den Ukraine-Krieg verschoben z.B. das Ziel mit 25% der Fläche für biologische Landwirtschaft. Die EU-Kommission startet den Vorschlag für den nachhaltigen Einsatz von Pestiziden. Bodenstrategie: Gespräche zu Richtlinie oder Verordnung. Datengesetz: Parlament und Rat werden eine Einigung treffen.

Vorsitzführung: Maurice Steinbusch, CUMELA Netherlands

 

Im Ausschuss Forest Strategy (Forststrategie) wurden nachstehende Themen behandelt:

  • Vielfalt im Forstsektor: Das aktuelle Umfeld im Forst wird von vielen Einflussfaktoren bestimmt. Es geht darum gehört, vertraut und gefragt zu werden.
  • Netzwerk mit Meinungsbildner: EU-Richtlinie zur Kaskadennutzung von Biomasse. Forstberufe, Sicht der PEFC-Forstzertifizierung auf EU-Ebene. EU-Verordnung über Landnutzung und Forstwirtschaft – Der Ablauf und die Ergebnisse.
  • Themen in den Meetings: Biodiversität, Vermeidung von Produkten aus Waldrodungen, EU-Bodenstrategie, Klassifikation von Holz, Bioökonomie. Austausch mit Fachexperten.
  • Erstellung einer Übersicht zu den Lohnunternehmen im Forstsektor mit den einzelnen Disziplinen: Forstwirtschaftliche Beratung & Planung, Waldbau, Holzernte, andere Aktivitäten

Den Vorsitz führt Simo Jaakkola, Mitarbeiter KONEYRITTAJAT Finland.

Die einzelnen Ausschüsse tagen zweimal jährlich. Zwischendurch finden Abfragen bzw. Feedback-Runden statt. COVID-bedingt wurden die Meetings online durchgeführt.

 Im Anschluss an die Fachberichte und gestellten Fragen folgten der Finanzbericht 2021 und die Vorschau für 2023. Der Ausblick gibt Zuversicht für die Branche. Dennoch beschäftigen die massiven Energiekostenerhöhungen die gesamte Branche und bringen neue Herausforderungen mit sich. Sie führen auch zu Veränderungen in einzelnen Sparten.

Exkursionsprogramm

Nach der Generalversammlung folgte eine Exkursion zum Forstwirtschaftlichen Lohnunternehmen Carsten Henkel in Osterode am Harz.

Betriebsleiter Carsten Henkel (grünes Poloshirt) stellte seinen Betrieb vor, in dem er 23 festangestellte Mitarbeiter beschäftigt. Die Arbeiten erstrecken sich über alle Forstaufgaben von der Beratung zur Nutzung und zur Anpflanzung, über Waldbaumaßnahmen, Holzernte, Brennholzerzeugung, Christbäume bis zur Vermarktung von Holz. Aufgrund des vorherrschenden Borkenkäferdrucks in der Region müssen derzeit viele Rodungen vorgenommen werden. Ein Segment im Betrieb stellt die Erzeugung und Aufbereitung von Brennholz dar. Damit können die Mitarbeiter zwischen den Arbeitsspitzen bzw. wenn Überkapazitäten vorhanden sind, durchgehend beschäftigt werden. Das Brennholz wird in Metallkisten gelagert und mit der Abwärme einer Biogasanlage getrocknet.

Der Harz

Der Harz ist das höchste Gebirge Norddeutschlands mit Erhebungen bis 1141 m Seehöhe. Die Region weist einen sehr hoher Waldanteil auf und ist als Urlaubs- und Ausflugsziel bekannt. Darin befindet sich auch der Nationalpark Harz (Naturschutzgebiet mit 247 km²). Im Jahr 2018 nistete sich infolge von Sturmschäden der Borkenkäfer ein und hat im Nationalpark, wo keine menschlichen Eingriffe vorgenommen werden dürfen, die Bäume massiv befallen. Umliegende Waldflächen wurden ebenso befallen, wo die Folgen heute noch zu spüren sind. Seitdem müssen zahlreiche Schlägerungen befallenen Bäumen vorgenommen werden.

Nach der Betriebsvorstellung bei Henkel in Osterode folgte der Besuch eines Harvestereinsatzes im nahegelegenen Harz. Beim Schlägerungseinsatz wurden Borkenkäfer-Bäume abgeholzt.

Uwe Obereigner, Direktor der Forstverwaltung Oberharz gab in seinen Ausführungen einen Einblick zu den Geschehnissen. Der Borkenkäfer ist in der Zwischenzeit von den befallenen Bäumen ausgezogen und setzt bei passenden Voraussetzungen seine Aktivitäten anderswo fort.

 

Besuch der Uni Göttingen

An der Fakultät für Forstwissenschaften und Waldökologie wirkt Prof. Dr. Dirk Jäger als Studiendekan und leitet die Abteilung für Arbeitswissenschaften und Verfahrenstechnologie. Er informierte über die forstwirtschaftlichen Studiengänge, die Forschungsarbeit und das Praxisangebot im Rahmen des Studiums. Die Zahl der Studierenden ist für das Bachelorstudium in den letzten Jahren leicht gestiegen, für das Masterstudium liegt ein gleichbleibender Verlauf vor.

Prof. Dr. Holger Militz leitet die Abteilung Holzbiologie und Holzprodukte. Zu seinen Forschungsaufgaben zählen die Holzbiologie, der Holzbefall und Produkte zur Holzkonservierung. Neue Umweltvorgaben geben den Anstoß zur Entwicklung von verträglichen Mitteln.

 Abschluss

Nach der zweijährigen COVID-Pause war der Wunsch für eine Zusammenkunft mit physischer Anwesenheit und wechselseitigem Austausch sehr groß.

Das Programm der General Assembly wurde von Frau Marlen Brinkord, Mitarbeiterin im DFUV (Deutschen Forstunternehmerverband) perfekt organisiert.

 

 

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